ADVENTSGESCHICHTE

Die Amaryllis, die keine Lust auf Stress hatte
Willkommen zu einer kleinen Adventsgeschichte.
Eine Geschichte über eine Frau, eine Blume
und die Kunst, Weihnachten ein bisschen leichter zu nehmen.
Mach es dir gemütlich.
Atme einmal tief durch.
Und komm mit mir hinein –
in einen Advent, der nicht perfekt sein muss,
um wunderschön zu sein.
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Die Geschichte beginnt…
Es war einmal eine Amaryllis,
eine wirklich selbstbewusste Amaryllis,
die in einem französischen Leinenrock spazieren geführt wurde.
Nicht in einer Vase,
nicht auf einem perfekt arrangierten Weihnachtstablett,
sondern einfach so…
zwischen ringelroten Strümpfen
und einem leicht zerzausten Winterpullover,
der schon viele Plätzchenkrümel-Schlachten erlebt hatte.
„Dieses Jahr“, verkündete die Amaryllis
mit einem eleganten Schwung ihres Zwiebelstiels,
„bin ich ausschließlich für die Schönheit zuständig.
Für Stress habe ich keinen Blütenplatz frei.“
Die Frau, die sie trug, lächelte.
Sie hatte längst entschieden,
dass der Advent in diesem Jahr
kein Marathon wird,
kein Wettkampf,
und erst recht kein Dekorationsmarathon.
Nur sie,
ein französisches Leinenkleid,
ein paar raschelnde Blätter
und eine Blume,
die sehr konsequent verweigerte,
Symbol für Perfektion zu sein.
„Weißt du“, sagte die Frau leise,
„Weihnachten feiert sich leichter,
wenn niemand erwartet,
dass wir perfekt sind.“
Die Amaryllis nickte.
Zumindest imaginär.
„Dann lass uns zusammen durch den Advent blühen“
Nicht ideal,
aber strahlend.
Ein bisschen schief,
ein bisschen wild,
aber wunderschön.“
Und so spazierten sie weiter.
Die Frau in ihren roten Schuhen,
die Geschichten von Winterwegen erzählen könnten.
Und die Amaryllis,
die rot glühte wie eine kleine Winter-Diva,
die nur eines wollte:
Freude bringen
und niemanden überfordern.
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Je näher sie dem Weihnachtsfest kamen,
desto klarer wurde es:
Es ist nicht Weihnachten selbst,
das uns außer Atem bringt.
Es sind die Erwartungen.
Diese kleinen, unsichtbaren
„Mach es größer.
Mach es glänzender.
Mach es unbedingt besser als letztes Jahr.“
Aber an diesem Tag mischte sich
der Duft von frisch geöffnetem Lebkuchen,
kalter Winterluft
und einem Hauch Tannengrün
zu einer Melodie,
die so sehr nach Weihnachten roch,
dass sogar die Gedanken zur Ruhe kamen.
Die Amaryllis schimmerte
in ihrem warmen, tiefen Rot.
Ein Rot,
das aussah,
als könne es Sorgen kleinschmelzen
wie Schnee auf einer warmen Fensterscheibe.
„Siehst du“, sagte ihr Leuchten,
„ich schenke dir Farbe – keine Aufgaben.
Ich schenke dir Licht – keine To-do-Liste.“
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Der Zauber des Unperfekten
Da verstand die Frau:
Weihnachten wird nicht leichter,
wenn wir mehr machen.
Es wird leichter,
wenn wir mehr wahrnehmen.
Diese kleinen Momente:
das Klirren einer Kaffeetasse am Morgen,
das erste leise Knistern der Adventskerzen,
das leise Lachen aus der Küche,
wenn heimlich Teig probiert wird.
Sie spürte plötzlich,
wie der Druck leiser wurde.
Wie der Advent wieder warm wurde.
Weich.
Menschlich.
Ehrlich.
Und so wurde dieser Spaziergang
zu einem kleinen Weihnachtsfest für sich.
Ganz ohne Lichterketten,
ohne Druck,
ohne Inszenierung.
Nur eine Frau,
eine Blume,
ein Duft
und ein Gefühl:
Dass Weihnachten dann am schönsten ist,
wenn es nicht perfekt aussehen muss.
Sondern nur in uns etwas berührt.
Wie eine Amaryllis im Winterwind,
die einfach Farbe in die Welt trägt—
und genau dadurch
die Magie zurückbringt,
die wir so oft suchen.
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Danke, dass du dabei warst.
Vielleicht begleitet dich diese kleine Geschichte
durch deinen eigenen Advent.
Vielleicht erinnert sie dich daran,
dass es manchmal reicht,
wenn es nach Weihnachten riecht
und im Herzen
ein klein wenig heller wird.
Herzlichst Anette
