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Wenn der Morgen den Stern berührt — Advent im Wohntheater

Es gibt diese seltenen, kostbaren Morgen, an denen die Welt noch ganz leise ist.

An denen der Atem der Nacht noch im Garten liegt und sich ein silbriger Reif über die Äste legt wie ein letzter Gruß an die Dunkelheit. Die Kälte klärt, sortiert, schärft. Und dann – ganz langsam, fast scheu – beginnt das Licht, sich seinen Weg zu bahnen.

Ich sitze an meinem Lieblingsplatz.

Es ist mein stiller Beobachtungsposten, mein kleines Regiepult im Wohntheater, von dem aus ich die Welt erwachen sehe. Bereits die ersten Sonnenstrahlen fallen weich durch die Fenster, als wollten sie mir zuflüstern: Heute wird schön.

Noch bevor der Tag richtig beginnt, entsteht hier mein liebster Augenblick – dieser Übergang zwischen Nacht und Morgen, in dem alles möglich scheint.

Gedanken festhalten – ein stilles Ritual

Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Morgen Worte schenkt, die am Abend nicht mehr auffindbar wären. Und so nehme ich meinen Füller in die Hand – diesen treuen Begleiter, der mich zwingt, langsamer zu werden, genauer zu schauen, bewusster zu atmen.Ein Füller schreibt nicht nur Worte. Er schreibt Zeit. Er schreibt Hingabe. Er schreibt …….. Ich habe dir wirklich zugehört, lieber Gedanke. In mein Notizbuch fließen dann diese kleinen Beobachtungen:… erste Sonnenstrahl, der am Kronleuchter glitzert.

Ein Adventstagebuch voller kleiner Schätze…

Und während ich hier sitze, die Wärme der Tasse zwischen meinen Händen, spüre ich, wie wohltuend es ist, mit Tinte zu schreiben. Ein Füller zwingt mich nicht zur Eile. Er lädt mich ein, in ein schönes Buch zu schreiben, mit ruhiger Hand und wachem Herzen. Gerade die Adventszeit ist wie geschaffen dafür, ein kleines Adventstagebuch zu beginnen — nicht als Pflicht, sondern als stilles Sammeln all der Gedanken, die sonst im Alltag verrinnen würden.

Hier finden Ideen Platz, die vielleicht erst im nächsten Jahr zum Leben erwachen. Kleine Einfälle, die zu schade wären, um verloren zu gehen. Rezepte, die man irgendwo entdeckt hat und die wie funkelnde Sterne zwischen den Seiten auftauchen. Farben, Stimmungen, Sätze, die bleiben wollen.

So wird das Buch zu einem Schatzkästchen:

Ein Ort, an dem der Advent nicht vorbeizieht.. sondern bleiben darf….

Ein Ort, an dem die Zeit nicht rast, sondern sich für einen Moment hinsetzt und mitschreibt.

Sterne, die verschwinden – und Sterne, die bleiben

Draußen verblassen die letzten Sterne, verlieren sich im hellen Blau des frühen Adventshimmels. Doch hier drinnen beginnt ihre Zeit erst. Der gefaltete Papierstern liegt vor mir auf dem Tisch, noch unscheinbar, noch ohne seine Flügel aus Licht. Ein Geschenk, das in den letzten Wochen auf seinen Moment gewartet hat.

Es ist ein tröstlicher Gedanke:

Dass es Sterne gibt, die man nicht am Himmel suchen muss.

Sterne, die nur darauf warten, dass man sie öffnet.

Erst wenn man ihn auseinanderzieht, entfaltet der Stern sein Leuchten – so wie manche Dinge im Leben Zeit brauchen, Vertrauen, ein ruhiges Herz.

So wie dieser Advent, der in diesem Jahr leise zu mir kommt, nicht auftrumpft, sondern flüstert.

Die warmen Rot-Töne des Morgens

Neben mir in der alten, geliebten Kanne steht die rote Amaryllis.

Sie ist noch im Schatten, doch selbst dort glüht sie wie ein heimliches Feuer. Nichts an ihr ist laut – und vielleicht ist gerade das ihr Zauber: dass sie erst im Halbdunkel ihren tiefen Ton zeigt.

Auf dem Tisch liegen kleine Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind und doch das Herz wärmen:

meine Lieblingstasse, der Duft eines frischen Kaffees oder eines stillen Tees, das Papierstern-Bündel, die Kamera, die mir die flüchtigen Momente sichert, bevor sie sich wieder verflüchtigen.

Habt eine wunderschöne, besinnliche Zeit, und vergesst nicht, sie für euch festzuhalten. Eure Anette

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