Das Café Florian, ein Hauch voller Geschichte
Manchmal verliert sich der Blick in Venedig. Wer zum ersten Mal aus dem Labyrinth der engen Gassen bricht und den Markusplatz betritt, steht stumm vor dieser großen Bühne, die Kuppeln des Markus Domes spiegeln den Himmel …Tauben kreisen im verblassten Licht des späten Nachmittags und unter den Arkaden zieht ein Duft vorüber, bittersüß, steinalt und irgendwie unsterblich. Es ist auch der Duft von gerösteten Bohnen, edlem Samt und das Gefühl von Geschichten, die nie ganz zu Ende erzählt wurden. Dort im Schatten der Bögen und Arkaden liegt das Café, Florian.






Schon von außen diese Art, einer fast unwirkliche Gelassenheit. Steht man vor dem Café, hat man das Gefühl, man schlüpft durch eine Falte der Zeit. Seit mehr als 300 Jahren werden hier Kaffee heiße Schokolade, Eiscreme und kleine Speisen serviert. Als Floriano Francesconi das Kaffeehaus im Jahr 1720, eröffnete wohl niemand, das daraus einmal eines der berühmtesten Cafés der Welt werden würde. Offiziell trug es den klangvolle Namen. Alla Venezia Trionfante.. . Übersetzt heißt das … dem siegreichen Venedig.
Doch Venedig, stur und verliebt wie eh und je, nannte das Café schlicht nach seinem Wirt. Man geht bis heute nicht ins Kaffeehaus. Man geht zum Florian wie zu einem alten Freund, der all unsere Geheimnisse bewahrt auch in einer Zeit, als Frauen die Schwellen andere Kaffeehäuser nicht übertreten durften, öffne das Florian seine Türen auch für Frauen. Während draußen die Republik Venedig unterging, Napoleon über den Markusplatz zog Hochwasser kamen und Millionen Reisende, die Stadt entdecken, blieb das Florian fast unverändert. Es gehört zu den wenigen Orten, an denen man das Gefühl hat, dass die Zeit nicht vergangen ist, sondern sich Schicht für Schicht einfach übereinander gelegt hat. Es wurde zu einem Ort für Seelen ein Ort der Begegnung. Giacomo Casanova verwalte hier stundenlang angeblich weniger wegen des schwarzen Kaffees, sondern wegen der heißen Trinkschokolade ja und der Damenwelt. Lord Byron trank hier gegen seine innere Unruhe an. Ja und Goethe notierte Beobachtung auf feinen Papier, wärend Brust, Rousseau, Dickens, Hemingway und Strawinsky zwischen Künstlern, Kaufleuten, Adligen und Reisenden, Damen der Gesellschaft diesen Ort wegen seiner Offenheit schätzten. Es ist ein schöner Gedanke, dass an einem der kleinen Marmortische vielleicht gerade ein Gedicht entstand oder ein Brief geschrieben wurde. Und zwischen den großen Namen der Weltgeschichte entsteht leise eine jener kleinen menschlichen Anekdoten,die James Krüss so schätzte.Als der Besitzer des Hauses an schwerer Gicht leidet und ihm kein Schuh mehr passte. Da fertigte sein Stammgast Antonio Canova behutsam ein Gipsmodell von dessen Fuß an, so konnte der Schuster bequeme Schuhe fertigen, ohne dass der Kranke, seinen Kaffee verlassen musste.




Und streift man die Zeitleiste weiter. Man findet auch ein Hauch von Hollywood auf den Marmortischen. Da. Es ist auch Licht, Kernschatten und zelluloides Verlangen. Wer draußen auf den kleinen Holzbänke sitzt oder drinnen auf dem roten Sand, teilt sich den Raum mit den großen Gesichtern der Filmgeschichte.
Summertime …. Der Traum meines Lebens aus dem Jahre 1955 unter der Regie von David Lean verzauberte Katherine Hebburn als einsame Amerikanerin, Jane Hudson. An den Tischen des Florian begegnet sie im flackernden Licht der Piazza dem eleganten Antiqua gespielt von Rossano Brazzi und verliert ihr Herz an diese Stadt.
Der talentierte Mister Ripply … ein Film aus dem Jahre 1999. Da saß Matt Diamond als Tom Ripply mit Gwyneth Paltrow als Marge unter den Arkaden des Florians, mit einem kühlen Mineralwasser und einem Espresso während die Schatten auf dem Markusplatz immer länger wurden.





Irgendwann sollte man den Mut haben, die schweren Türen zu öffnen und das Café zu betreten. Viele Besucher bleiben draußen auf der Terrasse stehen und ahnen nicht , welcher Schatz sich hinter den alten Fenstern … der schweren Holztür verbirgt. Wer die verschiedenen Salons betritt, steht in einem Museum in einem besonderen Museum. Denn das Florian wirkt drinnen weniger wie ein Kaffeehaus. Viel mehr wie ein venezianischer Palazzo. Die prachtvollen Salons gehen ineinander über, jeder mit seiner ganz eigenen Stimmung …. vergoldete Spiegel reflektieren das Licht der Kronleuchter. Dunkle Wandbertäfelungen verleihen den Räumen eine beinahe englische Behaglichkeit. Kunstvolle Stuckdecken und fein gemalte Wandbilder erzählen vom Glanz der Serenissima. Rote Samsofas die Marmortische und schwere Vorhänge dämpfen den Lärm des Markus Platzes. Obwohl draußen tausende Menschen unterwegs sind, herrscht hier eine fast feierliche Ruhe. Das Deckengemälde ist absolut bezaubernd.  Ich konnte meinen Stick kaum davon lösen Es ist so, als wär man für einen kurzen Augenblick Gast in einem Haus, da seit Jahrhunderten Geschichten sammelt und dann kommt der Moment, in dem man entscheiden muss, ob man hierbleiben möchte und man nimmt die Speisekarte in die Hand.





Ja wenn das kleine Orchester draußen auf der Terrasse die Geigen ansetzt und der Kellner im makellosen Frack das silberne Tablett bringt, ist der Cappuccino teuer. Sehr teuer sogar es hat was von einer Aristokrat Rischen Verschwendung doch man bezahlt eigentlich nicht den Cappuccino. Man bezahlt auch nicht die Musik man bezahlt einen Augenblick. Man sitzt unter den Arkaden oder im Café beobachtet das kommen und gehen der Menschen hört das klirren des feinen Porzellans und das leise Stimmengewirr, während die Kellner mit ihren silbernen Tabletts beinahe lautlos zwischen den Tischen hindurch gleiten . Man ist nicht einfach nur ein Gast, sondern irgendwie ein Teil einer Geschichte, die hier seit über 300 Jahren jeden Tag weiter geschrieben wird und selbst wenn man sich gegen einen Cappuccino entscheidet, lohnt sich der Besuch im Florian, denn ich habe einen kleinen Tipp für euch.

Im Eingangsbereich des Salons werden wunderschöne Café Dosen verkauft in sattem Weinrot in Tiefegrün und in einem warmen, braun gefüllt mit verschiedenen Kaffeesorten oder Trinkschokolade. Fast wirkt es ein wenig ironisch, dass eine dieser eleganten Dosen weniger kostet als eine Tasse Cappuccino auf der Terrasse. Es ist ein Stück Venedig zum Mitnehmen, um sich zu Hause noch einmal daran zu erinnern. An dieser Stelle möchte ich gerne Mascha Kaléko zitieren, „bedenke, ein einziger Augenblick kann alles sein.“ Also die Dosen sind ein wunderbarer Anlass, das Café von innen zu entdecken und sich Zeit für all die kleinen Details zu nehmen , die man von draußen niemals sehen würde. Traut euch!

Wenn man das Florian schließlich wieder verlässt und unter den Arkaden auf dem Markusplatz hinaustritt ….. unter den gewaltigen Bögen entlang spaziert fängt einen die kühle der Lagune ein.
Die Klänge des Ochesters und die goldenen Fassaden des Markus Doms, die Piazza… mit ihrem geschäftlichen Leben. Vielleicht ist genau dies eines der Geheimnisse des Florians. Drinnen bewahrt es die Vergangenheit und draußen wartet das lebendige Venedig



Ich hoffe, Ihr hattet ein wenig Freude an meinem kleinen Essay zum Caffe’Florian.
Mit einem kleinen Zitat von mir, möchte ich euch auf Venedig neugierig machen und mich für heute verabschieden
„Auf dem Markusplatz scheint selbst die Zeit für einen Augenblick stehen zu bleiben – nur das Licht tanzt weiter, und Venedig flüstert uns zu, dass manche Träume einen wirklichen Ort haben.|
Herzlichst Anette
