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Wohntheater unterwegs….Bunte Fähnchen, Cream Tea und eine Prise Meeresluft in St Ives…..

St Ives ist ein Ort, an dem man sich wunderbar verirren kann. Die schmalen, verwinkelten Gassen führen vorbei an weißen Fischerhäusern, deren Dächer sich dicht an den Hang schmiegen. Durch die Fenster kleiner Galerien und Ateliers entdeckt man Gemälde, Keramik, Drucke und handgefertigte Dinge – und irgendwann steht man doch wieder vor dem Meer.

Über den Dächern kreischen die Möwen, als besäßen sie sämtliche Häuser, Boote und Fish-and-Chips-Läden des Ortes. Vermutlich glauben sie das tatsächlich.

Aus den kleinen Cafés mischt sich Kaffeeduft unter die salzige Luft. Dazu ein wenig Tang, warme Scones und irgendwo natürlich Fish and Chips – St Ives besitzt sein ganz eigenes Parfum. Nicht unbedingt eines, das man in Flaschen füllen möchte, aber eines, das man später sofort wiedererkennen würde.

Es ist diese besondere Mischung, die den Ort so unverwechselbar macht: ein wenig raues Cornwall, ein Hauch südlicher Leichtigkeit und überall das Gefühl, dass hinter der nächsten Ecke bereits ein neues Bild wartet.

St Ives – dieses besondere Licht

Alle Fotos, die ich euch aus St Ives zeige, sind ohne Filter entstanden. Und genau darin liegt das kleine Wunder dieses Ortes: Sein Licht braucht keine Hilfe.

Innerhalb weniger Augenblicke wechselt es seine Stimmung. Eben noch liegt der Himmel schwer und dunkel über dem Hafen, dann öffnet sich zwischen den Wolken plötzlich ein leuchtendes Blau. Das Meer wird türkis, silbergrau oder tiefblau, und der feuchte Sand beginnt beinahe golden zu schimmern. Es ist, als würde irgendwo hinter den Kulissen ein unsichtbarer Beleuchter stehen und für jede neue Wolke rasch das Bühnenlicht wechseln.

Die Luft schmeckt nach Salz, Wind und weiter Welt. Bei Ebbe liegen die kleinen Boote ein wenig verloren auf dem Sand, während sich das Wasser in schmalen, glänzenden Wegen zurückzieht. Wenige Stunden später kehrt das Meer zurück – und mit ihm eine vollkommen neue Szenerie.

Mir genügt es , am Hafen zu stehen, tief einzuatmen und für einen Augenblick selbst Teil dieses besonderen Lichtes zu werden.

Vom Fischerort zur Künstlerstadt….

St Ives war nicht immer der berühmte Ferien- und Künstlerort, den wir heute kennen. Über Jahrhunderte lebten die Menschen hier vor allem vom Fischfang. Besonders große Sardinenschwärme, die sogenannten Pilchards, brachten Arbeit und Leben in den geschützten Hafen. Noch heute erzählen die alten Fischerhäuser, die schmalen Gassen und die kräftigen Mauern von dieser Zeit.

Seinen Namen verdankt der Ort der Legende nach der irischen Heiligen Ia. Ihr ist auch die St Ia’s Parish Church geweiht, deren heutiges Gebäude im Jahr 1434 geweiht wurde. Seit Jahrhunderten steht sie unmittelbar am Meer und scheint Wind, Salz und Geschichten gleichermaßen zu trotzen. St Ia’s Parish Church… Die Kirche ist für mich ein besonderer Ort… so dass ihr Garten ein extra kleines Kapitel bekommt.

Als 1877 die Eisenbahn St Ives erreichte, wurde der abgelegene Ort leichter zugänglich. An der Stelle möchte ich ein Zitat von Virgina Woolf mit euch teilen. Ein wenig recherchiert und hab mich jetzt spontan entschieden, noch ein weiteres Kapitel einzufügen, bevor es mit der Kunst und St.Ives weiter geht.

Virginia Woolf und die verlorenen Sommer von St Ives

> „Wir stehen kurz vor unserer Abreise nach Cornwall. Morgen werden wir den Bahnsteig von Penzance betreten, die Luft schnuppern und dann quer durch die Heide nach Zennor fahren. Warum bin ich so unglaublich und unheilbar romantisch, wenn es um Cornwall geht?“
>
> **Virginia Woolf, Tagebuch vom 22. März 1921**

Diese Frage berührt mich sehr, denn auch ich bin hoffnungslos romantisch, wenn es um Cornwall geht. Virginia Woolf, geborene Stephen, verbrachte mit ihrer großen Familie viele Sommer im Talland House oberhalb von St Ives. Das Meer, der Garten und der Blick zum Godrevy Lighthouse wurden zu Erinnerungen, die sie ein Leben lang begleiteten und später besonders in ihrem Roman „Zum Leuchtturm“ wiederkehrten. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter endeten die gemeinsamen Ferien – und Cornwall wurde für Woolf zu einem verlorenen Land der Kindheit. Vielleicht liegt gerade darin der Zauber dieses Ortes: Man reist nicht nur an eine Küste, sondern immer auch ein wenig zurück zu sich selbst. The Paris Review

Mit den ersten Feriengästen kamen bald auch Künstlerinnen und Künstler. Sie verliebten sich in das klare Licht, die Farben des Meeres und die raue Landschaft Cornwalls. Alfred Wallis, Ben Nicholson, Peter Lanyon, Patrick Heron und viele andere fanden hier ihre Motive und Inspiration. Aus dem Fischerort wurde nach und nach jene besondere Mischung aus Hafenstädtchen, Künstlerkolonie und Seebad, die St Ives bis heute prägt.

St. Ives und seine Kunst Szene… 

Direkt am Porthmeor Beach liegt die Tate St Ives – ein lichtdurchfluteter Bau mit großer Glasfront, in dem Werke von Künstlern wie Barbara Hepworth, Ben Nicholson und Alfred Wallis an die berühmte Künstlergeschichte des Ortes erinnern. Im wunderschönen Café ganz oben sitzt man beinahe zwischen Himmel und Meer und blickt durch die großen Fenster über den Strand – als würde sich die Ausstellung draußen einfach fortsetzen. (Tate St Ives⁠)

Barbara Hepworth – Formen, Licht und ein Garten voller Kunst…

Wenn ich St Ives besuche, nehme ich mir immer Zeit für einen ganz besonderen Ort: das Barbara Hepworth Museum and Sculpture Garden.

Die britische Bildhauerin Barbara Hepworth kam 1939 nach Cornwall. Zehn Jahre später fand sie mitten in St Ives das Trewyn Studio – ein verborgenes Ensemble aus Haus, Werkstätten, Hof und Garten. Sie lebte und arbeitete dort von 1949 bis zu ihrem Tod im Jahr 1975. Auf ihren Wunsch hin wurde der Ort anschließend als Museum bewahrt.

Schon der Weg dorthin besitzt etwas Geheimnisvolles. Hinter Mauern und zwischen den Häusern öffnet sich plötzlich ein stiller Garten. Zwischen Bäumen, Gräsern und Blumen stehen Hepworths Skulpturen aus Stein und Bronze. Manche wirken weich und rund, andere erinnern an vom Wind geschliffene Felsen, Muscheln, Wellen oder menschliche Körper. Licht und Schatten wandern über ihre Oberflächen, und durch die typischen Öffnungen ihrer Arbeiten sieht man immer wieder ein Stück Himmel, eine Pflanze oder eine andere Skulptur.

Gerade diese Durchbrüche sind charakteristisch für ihren Stil. Barbara Hepworth formte nicht nur das Material, sondern bezog auch den leeren Raum, die Luft und das Licht in ihre Werke ein. Ihre Kunst ist abstrakt und wirkt doch vertraut, weil sie eng mit der Natur, der Landschaft Cornwalls und den Beziehungen zwischen Menschen verbunden ist.

Besonders berührend ist, dass sich der Ort nicht wie eine gewöhnliche Ausstellung anfühlt. In den Atelierräumen sind noch Werkzeuge, Materialien und angefangene Arbeiten zu sehen. Man hat beinahe das Gefühl, die Künstlerin habe den Raum nur für einen Augenblick verlassen .. vielleicht um sich eine Tasse Tee zu holen.

Draußen stehen die Skulpturen genau dort, wo sie sie selbst im Zusammenspiel mit Pflanzen, Wetter und wechselndem Licht sehen wollte. Es ist magisch,, wenn man hindurch läuft. Ich nehme mir immer Zeit, um mich ein wenig auf eine Bank zu setzen und einfach nur zu genießen. Und ich entdecke neue Blickwinkel und Ideen dürfen kommen. Wie ich es Liebe dort zu fotografieren.

Das Haus, die Werkstätten und der Garten erzählen deshalb nicht nur von Barbara Hepworths Kunst. Sie erzählen auch davon, wie sie gelebt und gearbeitet hat – konzentriert, kraftvoll und immer im Dialog mit ihrer Umgebung. Weitere Informationen für einen Besuch findet ihr beim Barbara Hepworth Museum and Sculpture Garden.

Eine kleine Oase über dem Meer…

Manchmal liegen die schönsten Orte nicht an den großen Straßen, sondern hinter einer Kirche, am Ende eines schmalen Weges.

Rechts neben der St Ia’s Church führt ein unscheinbarer Pfad nach hinten. Im oberen Kapitel habe ich schon ein wenig über die Kirche erzählt, was ihr dringeschichtlichen Hintergrund betrifft. Jetzt bin ich direkt dort und gehe ein paar schiefe Treppen hinauf – bei denen man besser kurz auf die Füße als auf die Aussicht achtet – und plötzlich öffnet sich ein kleiner Garten direkt oberhalb des Strandes.

Einfache Holzbänke und Tische stehen auf der Wiese. Kleine bunte Fähnchen tanzen im Wind, und von hier oben schaut man über den goldenen Sand bis hinaus auf das Meer. An einem kleinen Wagen gibt es Kaffee und Tee – und, was ich besonders entzückend fand: Cream Tea to go. Britischer kann eine Entdeckung kaum sein.

Hier riecht die Luft nach Salz, Tee und warmen Scones. Man hört das Meer, das Flattern der Fähnchen und die Gespräche der Menschen. Immer wieder kommt jemand die schiefen Stufen herauf, bleibt überrascht stehen und lächelt. Zwischen Fremden entsteht für einen Augenblick dieses stille Einverständnis: Wie schön, dass wir diesen Platz gefunden haben.

Nur wenige Schritte entfernt ziehen die Besucher durch die vollen Gassen von St Ives. Doch hier oben scheint der Trubel plötzlich weit weg. Eine kleine Oase über dem Strand – fast ein geheimer Logenplatz mit Blick auf das große Wohntheater des Meeres.

Fish and Chips, kleine Läden und große Möwen….

Zu einem Tag in St Ives gehören natürlich auch Fish and Chips. Am schönsten schmecken sie dort, wo man das Meer noch sehen und die Möwen bereits verdächtig aufmerksam beobachten kann. Außen knusprig, innen saftig, dazu dicke Pommes, Erbsenpüree oder Sauce tartare – kein feines Menü, aber manchmal genau das Richtige.

Man sollte seine Portion allerdings gut bewachen. Die Möwen von St Ives arbeiten vermutlich nach Schichtplan und besitzen eine bemerkenswerte Begabung dafür, den unaufmerksamsten Menschen am Tisch zu erkennen.

Anschließend lässt es sich wunderbar durch die Gassen bummeln. Es ist manchmal gar nicht so einfach, Shops in Großbritannien dauerhaft zu empfehlen, denn gerade die kleinen, besonderen Läden ziehen häufig um oder verschwinden ganz. Auch in St Ives kann ein Jahr später an derselben Stelle schon wieder ein völlig neues Geschäft eingezogen sein. Doch ganz gleich, welche Läden gerade dort sind: Entlang der Hauptstraße bis hinunter zum Meer reihen sich hübsche kleine Geschäfte wie Perlen an einer Kette aneinander.

Besonders rund um die Fore Street, die High Street und die kleinen Straßen hinunter zum Hafen findet man unabhängige Geschäfte, Galerien, Keramik, Schmuck, Bücher, Karten und hübsche Dinge für zu Hause. Natürlich gibt es auch die üblichen Souvenirs – doch dazwischen entdeckt man immer wieder etwas Besonderes, das mehr von St Ives erzählt als jeder Kühlschrankmagnet.

Am schönsten in der Nebensaison…

So zauberhaft St Ives ist: In der Hauptsaison kann der Ort vollkommen überlaufen sein. Dann schieben sich die Menschen durch die schmalen Gassen, vor den Cafés bilden sich lange Schlangen, und vom leisen Charme des alten Fischerortes bleibt zeitweise nur noch eine Ahnung.

Wer die besondere Atmosphäre wirklich spüren möchte, sollte möglichst in der Nebensaison kommen. Wenn die Gassen wieder etwas leerer werden, mehr Platz am Hafen bleibt und man das Rauschen des Meeres zwischen den Stimmen hören kann, zeigt St Ives seine stillere Seite.

Dann bleibt Zeit, das wechselnde Licht zu beobachten, in kleinen Galerien stehen zu bleiben oder mit einer Tasse Tee über dem Strand zu sitzen. Denn manche Orte entfalten ihren eigentlichen Zauber erst, wenn man ihnen wieder ein wenig Raum zum Atmen lässt.

Und vielleicht erzählt gerade der kleine Garten hinter der Kirche die Geschichte von St Ives besonders schön: Unterhalb liegt der alte Hafen, über den Mauern tanzen bunte Fähnchen, und dort, wo früher die Fischer ihre Netze auswarfen, sitzen heute Menschen bei Cream Tea und schauen hinaus auf das Meer.

Rosamunde Pilcher…

Manche Orte wechseln im Laufe der Zeit ihre Kulissen – ihre Seele aber behalten sie. Und deshalb kommen wir immer wieder gerne hierher zurück….

Wenn ihr euch mehr Reiseberichte wünscht, dann schreibt es mir doch in die Kommentare und überhaupt interessiert mich immer eure Meinung….herzlichst Anette

5 Antworten auf „Wohntheater unterwegs….Bunte Fähnchen, Cream Tea und eine Prise Meeresluft in St Ives….. Hinterlasse einen Kommentar

  1. So wunderschön geschrieben liebe Anette, ich kann den Duft buchstäblich riechen. Gleich möchte ich einen Koffer packen.

    Vielen Dank das du uns auf so wunderbare Weise deine Lieblingsorte näher bringst.

    Schöne Tage wünsche ich Euch ❤️

    Cornelia

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  2. Liebe Annette

    Vielen Dank für die wunderschöne Führung durch diesen bezauberen Ort St. Ived bitte noch mehr Reiseberichte würde mich sehr freuen, kann mich in Gedanken dorthin versetzen und etwas träumen. Lg Pia

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  3. Liebe Anette, So wunderschön und deine schönen Berichte lassen mich eintauchen, als wäre ich auch dabei. Zauberhaft, ja und ich hoffe immer noch, dass ich auch an diese Orte einmal kommen kann.Es ist ein Herzenswunsch von mir.

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  4. mir hat St.Yves auch sehr gefallen. Und wenn man im Sommer früh genug da ist, kann man dem Gedränge ein bisschen aus dem Weg gehen.

    Ich freue mich auf weitere Reiseberichte von dir.

    LG

    Anja

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    • Liebe Anette, ich bin hin und weg. Deine Reiseberichte lassen mich jedes Mal in meine eigenen Reisen eintauchen. Wie gerne hätte ich das alles, was du uns da schenkst in einem Büchlein in Händen, ich kann mich nicht so sehr daran erfreuen, deine wunderschönen Stimmungen auf dem Bildschirm zu lesen. Auf jeden Fall sind deine Erzählungen berauschend. Bitte mehr. Herzlichen Dank fürs Mitnehmen. Drücke dich aus der Ferne ❤️ liebe Grüße Anita 😍

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